Die Galerie im Weinladen

DIE GALERIE IM WEINLADEN

Aktuell im Weinladen




Der Kunsthistoriker Willhelm Uhde entdeckte in zum Ende des 19. Jahrhunderts in Paris die Bilder des Zollangestellten Henri Rousseau, des Postbeamten Louis Vivin, der Putzfrau Séraphine Louis sowie des Zirkusathleten Camille Bombois  und präsentierte sie 1928 in Paris in einer ersten Ausstellung als Maler des Heiligen Herzens. Diese Ausstellung gilt als Beginn der öffentlichen Wahrnehmung sogenannter Naiver Kunst. In Europa zumindest.

Nach dem zweiten Weltkrieg verlagerte sich der internationale Fokus im Interesse an Naiver Kunst auf den Balkan. Und ohne das selbst rezipiert zu haben, muss ich feststellen, dass ich Ingos Mal – und sonstige Gestaltungsweise immer in dieser Himmelsrichtung verortet habe.

Nun ist Ingo R.‘s Kunst nicht im dem Sinne naiv, als dass sie einer kindlichen Weltsicht entspringt, vielmehr drängt sie konsequent und inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert darauf, uns die Schönheiten guter Menschen und guter Dinge anzudienen.

Und das muss man durchhalten. Über die Jahre. In dieser Zeit. Als äußerst hilfreich dabei erweist sich sicher der Umstand, dass sie uns allen als Zeitgenosse der wilden sechziger Jahre dienen kann. Da haben unsere Freiheitsbegriffe und, unter anderem, unsere musikalischen Selbstverständlichkeiten, ihren Ursprung.

Man sollte ihr zuhören und natürlich zusehen. Den noch Jungen sei es wegen des Altersunterschiedes, den Älteren im Osten wegen der Undurchlässigkeit der Mauer empfohlen.  Wir (also die Älteren im Osten) hatten natürlich unsere eigene Version der wilden Sechziger und haben sie (nicht ohne mauerbrechenden Erfolg) bis in die Achtziger ausgeweitet. Doch unser Antrieb war Hoffnung, nicht Wissen. Da blieben Enttäuschungen im Aufwachen nicht aus. Ingos Mal – und Sichtweise kann da sehr trostreich sein.

 

Ich habe einen Songtext meiner Band, der, glaube ich, auf sie passt:


Du bist echt,

bist keine Fälschung,

man läuft schnell an dir vorbei.

 

Du bist secht, bist keine Fälschung,

man läuft schnell an dir vorbei.

Zwischen all den aufgesetzten Egos

ist kein Platz für uns Zwei.


Jens Göbler 010422

Laudation Vernissage Axel C. Kubitz


Der Stau hat sich aufgelöst und es finden wieder Veranstaltungen im Weinladen statt. Axel C. Kubitz darf zuerst losfahren, wenn auch mit gehöriger Verspätung. Es folgen weitere 5, einst geplante Vernissagen und Ausstellungen.


Axels Gesichter wollten eher in die Welt, gesehen werden, sich vergleichen mit ihren Besitzern. Doch unsere Kuratorin Marion und ich bestanden darauf, dass diejenigen Bewohner des nördlichen Elbufers, die die Chuzpe hatten, sich auf Axels Platten bannen zu lassen und sich dadurch eventuell selbst zu begegnen, die Gelegenheit haben müssen, dies während der Öffentlichkeit einer Vernissage, unter der behutsamen Zuführung qualitätsvoller alkoholischen Getränke, langsam anzugehen.

Als ich gestern die Fotografien hängen sah, fühlte ich mich wie Darwin, der am Ende einer langen Reise angekommen, gestaunt haben muss, in welch vielfältiger Welt voller individueller Kreaturen er unterwegs gewesen war.

Mit einer wesentlichen Unterscheidung: bis auf wenige Ausnahmen gehören die meisten der hier vertretenen Gesichter nach wie vor zu meinem Leben. Das tut gut, denn es vermittelt in dieser Zusammenstellung, nicht ganz fassbar, die Hoffnung, nicht im Mainstream verfangen zu sein.

Dass er mir und hoffentlich auch Ihnen klarmacht, dass diese Charakterköpfe besondere Individuen verkörpern, ist Axels wesentliches Verdienst. Er muss wie seine Objekte, die hier ganz klar Subjekte sind, ohne Worte auskommen, muss die Zeichnungen, Landschaften aufspüren, die sie besonders machen, muss in ihren Augen den Unterschied in der Sicht auf die Welt einfangen, den die Transzendenz gelebten Lebens ausmacht.

Es bleibt Axel wenig Zeit, den Moment festzuhalten, an dem dies alles sich zum kongenialen Ausdruck der jeweiligen Persönlichkeit zusammenballt.

„Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre!“, sagt Robert Bresson.

Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings lange dauern.

Dieser Werbesatz der Leica beschreibt die unverabredete Übereinstimmung zwischen Fotograf und den Fotografierten, die nur sichtbar wird, wenn wechselseitiges Verständnis und Verstehen während der Session auftritt. Alle Beteiligten haben viel gesehen und sehen müssen über die lange Zeit ihres Lebens und Sie als Betrachter dürfen dank der Fähigkeiten von Axel C. Kubitz drei Monate davon profitieren.


Jens Göbler

Laudatio von  Ralf Seifert zur Ausstellung:  Beate Bilkenroth „Sehstücke“ 08 - 11/19


Nachdem Peter Koch hier im Weinladen WEINSELIG seine Ausstellung MARITIM präsentiere durfte, wobei sommerlich angemessen Masten und Meer auf dem Flyer zu finden waren, ist es nun Beate Bilkenroth, die zur Ausstellung SEHSTÜCKE einlädt, mit einer Gruppe Schweinen auf der Einladung. Schweine. Ausgerechnet diese Tiere in unseren aufgeregten Zeiten, in denen gesellschaftliche Debatten hitzig gefochten werden, wenn es um die Verpflegungspläne in Kindertageseinrichtungen oder den ökologischen Fußabdruck in Klimaschutzkontext geht. Ist es eine Kampfansage? Ein Statement? Ein Appell? Oder rüsten wir einfach einmal etwas ab, lassen kurzzeitig Wahlkampf, culture clash und Klimakatastrophe heraus und schauen mit voller Konzentration und offenem Blick auf das, was zu sehen ist. Was dargestellt wurde. Was gemeint war. Sehen wir also hin. Auf die Werke. Auf die Stücke.


1972 wurde Beate Bilkenroth geboren, bis 2003 studierte sie an der HBK in Braunschweig mit Diplomabschluss. Sie zeigt uns Werke aus dem Zeitraum von 2013 bis 2019. Während Beate Bilkenroth sich selbst in den Bereichen Ölmalerei, Aquarell, Installationen und Objekte zu Hause fühlt und in diesen künstlerisch forscht, ringt und immer wieder auch gewinnt, wird hier ein Ausschnitt aus ihrem zweidimensionalen Wirken präsentiert, ausschließlich in Öl und auf Leinwand. Die Werke lassen sich nicht nur in Jahrescheiben clustern und als Belege des jeweiligen thematischen Schwerpunktes heranziehen, sondern auch die unterschiedlichen Sujets entfalten Wirkungswellen für sehr eigene Rezeptionen.


Neben der Darstellung der gebauten, tektonischen, mit rechten Winkeln und teilweise abweisender Kühle versehenen Umwelt stehen Werke, in denen reale Zitate surrealen Fragmenten zu begegnen scheinen und die Natur zunehmend Raum gewinnt. Immer wieder beschäftigt sich Beate Bilkenroth dabei mit dem Wasser, dem darin Lebenden, dem daran Lebenden, dem darauf Lebenden, dem davon Lebenden. Ihre „Seestücke 1 bis 3“ oder „Im Fluss“ belegen diese Sehnsucht. Ihre dokumentarisch zu nennende Genauigkeit bei der Entwicklung spannender Kompositionen erzeugt bei den Betrachtenden den Eindruck des eröffnenden Lernsettings mit emotionalen Überraschungen und sich aufbauender Empathie. Letztendlich sind die teilweise sehr konkreten regionalen oder auch darüber hinausgehenden geografischen Verweise in einzelnen Werken ein Kaleidoskop biografischer Verwurzelungen und sphärische Reminiszenzen an vorgefundene oder empfundene Energien an diesen Orten. Storkower See. Darß. Braunschweig. Übigau. Dresdner Heide. Jägerpark. Uns begegnen ebenso Naturszenen in fast reiner Landromantik als auch auf dem Prinzip des realistischen Naturalismus fußende Bildcollagen, die positiv irritieren. Singulär stehende bildnerische Höhepunkte wie etwa „Trotzdem“, die sich einer historisch-biografischen Linienführung oder dem Gegenstand unterordnenden Gliederung entziehen, bereichern die Mannigfaltigkeit und zeigen die Künstlerin als eine dem Formenspiel Zugewandte.

In den neueren, im Jahr 2019 entstandenen Werken wird neben dem oder über dem Wasser der Himmel groß und größer. Licht, Ferne, Höhe und Weite. Manchmal so massiv, dass die Horizontlinie fast aus dem Rahmen fällt. Es gibt Erinnerungslinks im Bildspeicher, die uns beispielsweise zum Gemälde DAS GROSSE GEHEGE von Caspar David Friedrich führen. Die Deutung des landschaftlich und atmosphärisch reizvollen Bildes, welches im Albertinum zu sehen ist, wurde in der Kunstgeschichte unter religiösen, strukturell-ästhetischen und formexperimentellen Gesichtspunkten intensiv betrieben. Und immer wieder als Wegmarke für bildkünstlerische Himmel- und Horizontarbeitende gesehen. Adalbert Stifter, John Constable, William Turner, Alfred Sisley, Claude Monet, Ferdinand Hodler, Paula Modersohn-Becker, Emil Nolde (Darf man den noch nennen?), Rudolf Hausner, Gerhard Richter, Anselm Kiefer. Und eben auch Beate Bilkenroth.


Ihre letzte Ausstellung konnte Beate Bilkenroth vor einigen Wochen in einem Edelrestaurant in der Dresdner Altstadt eröffnen, nun also in einer Vinothek auf der anderen Seite des steten Flusses. Gibt es einen zwingenden Zusammenhang zwischen Gaumenreiz und Sehimpuls? Versüßt das eine das andere? Schaukeln sie sich gegenseitig hoch? Unterstützen sich gegenseitig? Auf der Internetseite dieses Ladens hier steht ein Zitat, welches William Shakespeare zugeschrieben wird: „Der Wein steigt in das Gehirn, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von feurigen und schönen Bildern.“


Wenn wir also davon ausgehen, dass jeder Künstler/jede Künstlerin immer auch ein Handwerker/eine Handwerkerin ist, aber eben nicht jeder Handwerker/jede Handwerkerin ein Künstler/eine Künstlerin, wenn wir darüber hinaus die weit verbreitete Annahme des Weinbaus als Winzers Kunst als gesetzt akzeptieren, sollte man sich leicht zur Erkenntnis verleiten lassen, dass mit der Zusammenführung edler Tropfen, gern auch Sorgenbrecher genannt, und visuell-ästhetischer Reizpunkte ein zwingend logisches Festival mehrsinnlicher Freuden inszeniert wird, innerhalb dessen alle Gäste und Besucherinnen bzw. Besucher gewinnen und die jeweiligen Reaktionen in der Verknüpfung der unterschiedlich genutzten Sinneskanäle mittel- bis langfristige Erinnerungsinseln generieren. Insofern ein großes Kompliment der strategischen Bilkenroth-Göbler-Achse des Guten für diese gelungene Symbiose!


Zum Schluss sei nicht nur allen gedankt, die der heutigen Eröffnung beiwohnen und die diese ermöglichten, sondern es sei auch alles Gute gewünscht für die Neueröffnung der Bilkenroth´schen Werkstätten auf der Rudolf-Leonard-Straße 20, Luftlinie von hier 170 Meter, vorbei am Kostümverleih namens Kreative Engel… Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Thomas Martin   "Amsterdam"   Fotografie   10/17 - 01/18


Aus der Laudatio: Dies wird keine Laudatio, die aktuellen Bilder und deren Einbettung in den gesamtkünstlerischen Kontext beschreibt. Dies hier wird eher eine Ode an die Freundschaft. Thomas tauchte Anfang 1990 in unserem Rockklub in Pirna auf, in dem ich mit meiner damaligen Band probte. In einer Zeit, in der anständige Verstärker und Instrumente noch nicht aufzutreiben waren oder maßlos überteuert erworben, noch aus DDR Zeiten stammten und langsam ihren Geist aufgaben. Selbst Schlagzeugstöcke lagen im Musikhaus Meinel nur unter der Ladentheke und scheuten mangels Beziehungen das Tageslicht.

 

Wir galten damals als musikalische Hoffnung. Dass wir das zu Anfang relativ anständig hinbekamen, verdankten wir der Entwicklungshilfe des Wessis Thomas Martin aus Idstein, der uns mit dem nötigsten Equipment versorgte und auch sonst half. Zum Beispiel bei den ersten Produktionen. Ich kann es mir also gar nicht leisten, die Freundschaft zu ihm aufs Spiel zu setzen, er ist in besitzt viele Aufnahmen unserer musikalischen Versuche. Auch der Missglückten.

Dass wir dann große Kunst machen wollten, die wir zu dem Zeitpunkt nicht beherrschten, ist nicht seine Schuld. Dass er zu uns hielt, schon.

 

Neben der Liebe zur handgemachten Musik für Erwachsene machten wir uns gemeinsam auf in die Weinwelt. Damals für mich voller weißer Flecken. Der Weinkeller seines Vaters wurde erstes Opfer unserer Entdeckerfreude. Dann folge Ungarn, dessen Bruttosozialprodukt 1992 einen unerklärlichen Anstieg verzeichnete, verursacht von zwei Kerlen auf Rad- und Trinktour.  Später Frankreich und Italien. Unhandliche Kameras begleiteten Thomas schon damals. Es gab sozusagen keine Version von ihm ohne Fototasche.

 

Thomas wurde sehr schnell ein nichtwegzudenkender Teil unserer Clique. In Pirna wie in Dresden. Dass er jedem half, der Hilfe benötigte, trug sicher dazu bei. Das ist ihm Wesen. Als ich später zu seinem fünfzigsten Geburtstag nach Oberauroff bei Idstein fuhr, lernte ich auf seiner Feier beinahe die ganze Gemeinde kennen. Ich durfte erleben, dass ihn alle mochten und seine vielen ehrenamtlichen Engagements zu schätzen wussten.

 

Was sicherlich nur daran lag, dass er auch Fotos von ihnen allen besitzt. In allen Lebenslagen. Zu später Stunde aufgenommen. An und unter Tischen mit endlosen Reihen leerer Gläser. Leider auch von mir. Ein weiterer Grund, ihm niemals die Freundschaft zu kündigen. Sie bleibt ohnehin das wohl Nachhaltigste zwischen Menschen, wenn man sich, wie Thomas und ich, dem Status alter Männer annähert. Weisheit ist immer noch nirgends aufzutreiben. Doch es wird Zeit für Reminiszenzen. Wie sie diese Fotoaustellung dastellt.

 

Shakespeare sagt dazu:

 

Wenn vierzig Winter einst dein Haupt umnachten

Und tief durchfurchen deiner Schönheit Feld,

Dann ist dein Jugendflor, wonach wir einst so trachten,

Ein mürbes Kleid, das unbemerkt zerfällt.

 

Jens Göbler

 

 

Michael Kral - Pastell

 

5. Mai bis 16. September 2017 im Weinselig. der Weinladen im Hecht

 

Vernissage am 05. Mai 2017 um 19:30 Uhr

 

Einführende Worte: Jens Göbler

Laudatio: Cornelia Köckritz

 

Musikalische Umrahmung: Johannes „Josel“ Ratsch, Gitarre (Mestizo, Flamenco, Taconeo)

 

Der Künstler wird anwesend sein.

 

 

 

Michael Kral liebt die Weite der Landschaft. Feinstrichig beschreibt er sie in eindrücklichen Ölpastellzeichnungen. Für ihn ist der Augenblick vor der Natur wichtig, deren Konzentrat er aus bewegten, oft unruhigen, mit weiß aufgehellten Bildflächen herstellt, die kubisch aufgebaut sind, dennoch lyrisch anmuten und auch impressionistische Stimmungen erzeugen. Seine Bilder weisen den Maler als Kenner von Form und Farbe aus, der auch die Stadt liebt und ihr ihren eigenen Charme abgewinnt. Seine Arbeiten beeindrucken durch die Leichtigkeit der Wahrnehmung und die räumliche Ausdehnung in die Bildtiefe. Kral´s Werke sind manchmal auch von innen heraus gesteuert, wobei der Strich oft gegen die Form arbeitet. Er wählt Ausschnitte mit großer kompositorischer Kraft. Sie spiegeln sowohl sein Wesen als Städter als auch seine große Naturverbundenheit. Kral´s Blick ist in die Ferne gerichtet und kehrt von dort zurück ins Innere. Er lässt seine Phantasie spielen. Seine Bildwerke lassen manchmal etwas offen, lassen Spielraum, lassen etwas frei. Kunst ermöglicht Versenkung und sollte eine stille Verbundenheit zwischen den Werken und ihrem Betrachter erzeugen. Und wenn sich der Betrachter als geduldig genug erweist, spinnen die Bilder ihn sanft in ihre Aura mit ein. Vor allem aber lässt es aufatmen, weil es dem Betrachter unaufgeregt alle Zeit der Welt erlaubt, sein inneres Auge auf die Reise zu schicken. Die Landschaftsinterieurs halten Ausschau nach denjenigen, die sich ebenbürtig in ihnen bewegen können.

 

Sonnabend, 19.11. 2016 19:00  Vernissage Stefan Dehmel   Fotografie

 

Galerie von November 16 bis März 17

Ingo R.  Bilder & Skulpturen

 

August bis November 2016

Conny Köckritz   Ölzeug   April bis Juli 2016

Wenn ein Mensch soweit ist, dass seine Gestaltungskraft faszinierende und überzeugende Dinge entstehen lässt, die er vorher nicht durchgeplant hat, ist er an einem Punkt angekommen, an dem sein Körper in Bereichen jenseits der primitiven Ursprünge agiert, die wir ihm meist zuordnen.

Ganzheitliches droht! Und Anmut!

Es gibt Gattungen, in denen das offensichtlich ist, wie die des Ballettes  und Gattungen, bei denen beides nur teilweise zu Tage tritt. So wie das kundige Bedienen eines Schlagzeuges mangels visueller Anmut eher ein reines Hörerlebnis ist.

Wenn im Verborgenen  Bilder entstehen, die sich von fast allem Akademischen entfernt haben und sich trotzdem nicht im Unendlichen, Nichtfassbaren  des  Abstrakten verlieren, sondern instinktive Körperlichkeit beim Malprozess  zur Betrachtung freigeben, ist das für mich Ausdruck der zu Anfang ausgesprochenen Reife. Ich glaube, um so instinktiv handeln/ malen zu können, muss man zuvor die Bibliothek seiner Gefühle einigermaßen aufgeräumt haben.

Dies ist wohl auch Voraussetzung, um Raum für Phantasie auf dem Malgrund zu lassen.  Die folgt bei Conny Köckritz keiner regulären Bildaufteilung mit Rätselstellung wie’s die hochgehandelte Leipziger Schule gern kolportiert, nein, sie entsteht durch die Rätselhaftigkeit der dargestellten Objekte, die wiederum einer Kompilation von kräftigem Auftrag und Weglassenkönnen entspringt.

Zu Guter Letzt reiht sich in die Aufzählung der Tugenden noch  die der Geduld ein. Denn sie muss Teil jener Wesen sein, die heutzutage noch in Öl malen, anstatt sich dem sich schnell ergebenden Acryl zu überlassen. Und wir werden neben den bereits beschriebenen Vergnügungen in dieser Ausstellung mit Farbtiefe und mit Farben belohnt, wie sie meiner Meinung nach eben nur die Ölmalerei hergibt.

 

Jens Göbler

 

Dezember 2015 bis März 2016: Beathe Bollinger   Mandalas

Mandalas dienen im Hinduismus und im Buddhismus als visuelles Hilfsmittel, um durch die Darstellung von Göttern, Landschaften oder Zeichen komplexe religiöse Zusammenhänge verinnerlichen zu können. Nach Ansicht des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung auch als Darstellung von Archetypen, also kollektiv unbewusster Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster.

 

Jungs Werk ist komplex, weswegen er auch von sich selbst sagt, dass nur ein Dichter ihn verstehen könne. Wie es zum Beispiel Hermann Hesse tat, der wiederum Krishna verehrte, den blauen Gott, der mit seinen Geliebten durch die Gärten von Vrindavan auf einem Mandala tanzt, bis sie die Zahl 3 erreichen und zu sich selbst finden.

Jung erkannt in einigen Aquarellen Hesses Mandalas, Hesse entgegnete: "Ich male nicht der Bilder wegen, sondern weil dies nun die Form meiner Liebe zur Welt ist."

 

Beathe Bollinger sagt von sich, dass sie sich beim Malen sammelt, während sie im Alltag dazu neigt, loszulassen. Das klingt nun eher seitenverkehrt zu Hesses Sicht. Allerdings kannte der unsere Welt nicht. Und die bietet mannigfaltigen Grund, loszulassen. Und sollte eben deshalb reflektiert werden, auch in der Abkehr. So wie Mandalas das tun.

In Beathe Bollingers Fall geschieht das in einem dichten, pastosen und bunten Acrylauftrag. Sie teilt ihre Mandalas in Strukturencluster und spiegelt diese. Das Ergebnis ist ein Prisma von Rohrschachtests, das Betrachter zu Einsicht und Eigensicht führen kann.

 

Wir freuen uns, dass dieser Laden sich auf Beathes langem Weg mit vielen Ausstellungen wiederfindet und wir erbitten nachsichtige Aufnahme in ihrer späteren malerischen Reflexion.

 

Jens Göbler